Düsseldorf

Liebeserklärung an einen Tatort

OK. Ich bin auch unheimlich gern auf Reisen, aber auf Dauer leben möchte ich nur in meiner Stadt. Sie hat genau die richtige Größe und genau die richtige Lage für mich. Wenn sie noch am Meer läge, wäre sie zu perfekt. Das ist schon in Ordnung, so am Rhein.

Ich weiß sie um so mehr zu schätzen, weil ich vor längerer Zeit gut fünf Jahre im Exil gelebt habe. Die Heinrich-Heine-Uni bot nicht die Studiengänge an, die gepasst hätten, also blieb nur der Weg in den Süden der Republik. Heimweh war die Folge und der feste Vorsatz, möglichst viel vom Rest meines Lebens hier zu verbringen.

Es ist also alles andere als ein Zufall, dass der Tatort meiner Krimis Düsseldorf ist. Von der Wohnung Peter Konraths am Kaiser-Wilhelm-Ring träume ich. In Wirklichkeit wäre Anna meine Nachbarin. 

Auch meine Dinnerrunde aus Kängurucarpaccio ist in Düsseldorf beheimatet. Bei den Zwillingsinseln muss man schon etwas mehr zwischen den Zeilen lesen, um einen Bezug zu finden, aber auch er gelingt.

Folgerichtig ärgert es mich extrem, wenn meine Stadt mal wieder auf ein Klischee reduziert wird. In meinem großen Bekanntenkreis gibt es nicht eine Düsseldorferin, die mit einem Nerz und einer Louis Vuitton-Tasche behängt von morgens bis abends die Kö entlang flaniert, so lange, bis High Heels und die Kreditkarte qualmen, während sie mit ihren aufgespritzten Lippen Küsschen an all ihre Charity-Freundinnen verteilt, denen sie auf dieser Nobel-Meile begegnet.

Mein Düsseldorf ist vielmehr eine geniale Mischung aus den Menschen meiner Umgebung, aus Spöttern wie Heinrich Heine und Hermann Harry Schmitz, aus rot-weißen Nachmittagen mit dem Schlachtgesang »95 olé«, Sonnenuntergängen am Rhein, möglichst im Open Air Kino, unvergessenen Hosen-Konzerten (…entlang der Gassen, zu den Rheinterrassen…), aus Kom(m)ödchen und Zack, aus Pispers und Nuhr, aus Erinnerungen an das Creamcheese, aus frisch gepresstem Saft auf dem Markt am Carlsplatz, aus Metthappen im Frankenheim-Biergarten, aus Festen in der Altstadt, Schiffstouren nach Kaiserswerth und zu den Gehry-Bauten im Hafen und und und…

Manchmal denke ich, vielleicht können das die verfreundeten Kölner noch am besten verstehen, denn so unterschiedlich sind wir gar nicht. Genau wie wir Düsseldorfer sehen sie sich mit reichlich Klischees konfrontiert und dabei möchte ich wetten, dass es jede Menge intelligenter, heterosexueller Kölner gibt, die nicht morgens, mittags und abends Viva Colonia singen, während sie sich vom Kölschen Klüngel bestechen lassen.

Wir sehen auf denselben Fluss, wenn auch von unterschiedlichen Seiten, wir tragen beide rot-weiße Schals, wir kämpfen immer noch mit riesigen Baustellen, ihr Wolfgang heißt bei uns Campino und wenn sie Alaaf singen, meinen sie wahrscheinlich Helau. Nur eins scheint uns tatsächlich unüberbrückbar zu trennen: Ihr Alt heißt nämlich Kölsch und offenbar - was ich nicht wirklich beurteilen kann - geht das gar nicht. Wenn es weiter nichts ist…

Als Düsseldorfer ist man natürlich der festen Überzeugung, in der schöneren der beiden Städte zu leben, wofür man ehrlich dankbar ist.

Falls jetzt aber jemand Lust bekommen haben sollte, Düsseldorf bei einem Städtetrip zu erkunden, sei ihm empfohlen, noch etwas zu warten, solange, bis die riesigen U-Bahn- und Kö-Bogen-Großbaustellen, die an Ground Zero erinnern, Geschichte sind. Im Moment muss man nämlich schon eingefleischter Düsseldorfer sein, um auch diese Ecke der Stadt zu lieben.